Hannes L. Götz, Bildhauer
Kurz gefasste Vita:
Hannes Götz ist „spätberufener Bildhauer“ und Autodidakt. Er hat seit den 80iger-Jahren künstlerische Studien an folgenden Ausbildungsstätten absolviert:
- an der Accademia di Medici Firence,
- den Bildhauerwerkstätten Moroder inElbigenalp Tirol,
- dem Münchner Bildungswerk,
- der Sommer-Akademie in Salzburg,
- im Steinbruch „Näsinge“ bei Strömstad, Südschweden,
- als Meisterschüler bei Bildhauer, Prof. Janez Lenassi, Piran, Slovenia (+)
Hannes Götz bevorzugt als Bildhauer das großvolumige und schwergewichtige Medium Stein.
In seinen späten siebzig und achtzig Lebensjahren entstanden und entstehen überwiegend philosophische und gesellschaftskritische Werke.
Unter anderem schuf er öffentlich zugängliche Werke außerhalb von Museen,
- in und für die Galerie 88 in Strömstad, Südschweden,,
- in Slovenien in Koper und Portoroz in Foyers von Hotels und Krankenhaus,
- in Apulien, Italien Cannole, am Stadtplatz,
- in Apulien, Italien, in Santa Maria di Leuca an der Küstenstraße,
- in Oberösterreich in Mattighofen im Vogelpark, )
- in Bad Feilnbach am Farrenpoint-Berggipfel,
- im Bürgerpark Gröbenzell,
- Im Zugangsbereich seines Aussenartelies in Olching Obb.
Sicherlich ein Hauptwerk, nämlich die Gedenkstätte für die Terroropfer bei den Olymp. Sommerspielen in München 1972 steht am Haupttor des Fliegerhorst in Fürstenfeldbruck.
http://www.lra-ffb.de/pdf/broschueren/Olympiaattentat.pdf
Vorzugsweise arbeitet Hannes Götz in internationaler Gemeinschaft, an internationalen Steinbildhauersymposien.
Er ist auch selbst Veranstalter von internationalen Symposien und betreut Bildhauerworkshops. Fallweise ist er Mentor für Studenten und Schüler.
Der Bildhauer Hannes L. Götz war in zahlreichen Gemeinschafts- und Einzelausstellungen im In- und Ausland präsent.
Hannes Götz begleitet seine Arbeiten größtenteils mit Tagebuchaufzeichnungen, Illustrationen, Mappen und Tonbildschauen aus Bildungsreisen in China, Nepal, Australien, Neuseeland, Finnland, Norwegen, Russland, Ecuador, USA, Kanada, Mittel- und Südeuropa.

Ein Steinbildhauer mit endloser Entdeckungslust
Die Radlader schaukeln über den Kiesplan. Es lärmt donnernd zwischen Steinblöcken und Reihen von Werkschuppen. Der Arbeitstag ist angefüllt mit Staub und Lärm an Bohusläns kooperativem Steinbetrieb in Näsinge. Hoch oben, unter dem steilen Berg, dessen Granitwände auf einmal eigenartig und typisch struktuiert sind vom Steinabbau, steht Hannes Götz. Er scheint ganz klein, der Abstand zu ihm und die gewaltige Masse des Berges verkleinern ihn, ähnelt einem der Zwerge Schneewittchens, auf seinem Weg zur Grube.
Näher gekommen vermeine ich bei ihm die Züge des Weihnachtsmannes zu entdecken; einen grauen Bart, ein bisschen gelockt, damit seine Finger damit spielen können, während er von seiner Kunst erzählt. Graue Arbeitskleider, auf dem Kopf jedoch eine weiche Kappe, deren Stoff kleine pastellgrüne Dünen bildet.
Auch bei einem Steinbildhauer lärmt es. Er verwendet dieselbe Art von Werkzeugen wie die Steinarbeiter. Jedoch befinden sich bei ihm noch Skizzenbuch, Bleistift und Fotoapparat dabei.
Auf dem Werktisch liegt eine Granitkugel, wie mit sich windenden Bändern umwickelt. Zwischen den Bändern der Kugel schlägt Hannes Götz mit vorsichtigen Schlägen die äußere, raue Steinschicht weg und schafft so eine glatte, harte Oberfläche.
Endlos
Es ist das Endlose das er herausmeißelt, von der zwei – in die dreidimensionale Form umsetzt. Er beschreibt mit Worten und zeigt auf den Stein, dann holt er das Skizzenbuch; ich sehe dicke dunkle
Linien des Bleistifts, die eine bekannte Figur aufzeigen.
„Sie bedeutet Treue, Liebe und Leben und kommt in allen Kulturen vor, überall auf der Erde“, sagt er und seine Hand folgt den Linien, die nie zu einem Ende gelangen, sondern sich endlos ewig durcheinander winden..
„In Tibet ist dies Symbol vor allem das Sinnbild des Lebens, der Reinkarnation, des ewigen Rundganges. Hier bei Ihnen ist es in vereinfachter Form auf den Informationstafeln für kulturelle Sehenswürdigkeiten zu entdecken“, erzählt er.
Kennenlernen
Hier ist unser Gespräch schon an einem Punkt angelangt, der diesem bayerischen Steinbildhauer wichtig ist, dem Punkt, wo die Symbole und die verschiedenen Kulturen zuhause sind.
Er arbeitet seit April im Steinbruch in Näsinge und war schon von Beginn an gut vorbereitet. Schon im Oktober war er zu Besuch gekommen, im Kopf voll von schwedischer Geschichte und dem Fotoapparat in der Hand.
In seinem Gedächtnis blieb das Herbstlicht, als die Sonne schon niedrig stand am Horizont und ihre Strahlen schräg über die Landschaft warf, die Bäume aber immer noch ihre Blätter trugen. Ein phantastisches Schauspiel für einen Mann aus Süddeutschland, wo die Sonne erst viel später, im Winter, so dicht über den Bergen hängt und dann aber Schnee schon über Wald und Bergen liegt.
Er denkt auch an den Teich hier mitten im Steinbruch, mit dem Spiegelbild des Himmels und der Bäume auf dem Berg. Jetzt im Sommer ist die Vertiefung in den Granitfelsen ausgetrocknet, der Teich aber ist verewigt, denn Hannes Götz fotografierte an jenem Tag den Teich und seine Spiegelung. Schon in dem Moment von der dargebotenen Schönheit bezaubert, später noch mehr fasziniert, als er auf der Fotografie eine sonderbare Gesteinsformation entdeckte; sie sah aus wie ein hockender Mann oder Vogel – wie ein Vogelmann. Er konnte sich jedoch nicht erinnern einen Vogelmann fotografiert zu haben. Als er das Bild aber herumdrehte, erkannte er das ursprüngliche Motiv – die Reflexion im Teich.
Neue Dimensionen
Dieses fotografische Ergebnis ist zu einem Kunstwerk geworden, ein steinerner Vogelmann, der jetzt in der „Galleri 88“ in Strömstad steht, bereit an der Ausstellung teilzunehmen, die am 16. Juli eröffnet wird.
In der Galerie befindet sich auch der abstrahierte, steinerne Steven eines Wikingerschiffes, fein gebogen, wie ein Segel und auch ein ganzes Granitsegel, mit dem Titel „set sail“. All das ist das Ergebnis seines tiefen Eintauchens in die Geschichte Bohusläns, so wie auch bei zwei steinernen Reliefs. Es geht auch bei ihnen darum, eine zweidimensionale Darstellung in eine dreidimensionale Form zu übertragen. Die Reliefs sind Felsritzungen, denen er die Tiefe gegeben hat. Der „Voltigeur von Jörlov“ biegt sich über die Granitfläche des einen Reliefs; das Rentier, der Jäger und die Sonnenscheibe heben sich aus dem Gestein des anderen.
Hannes Götz ist nach Schweden gekommen mit der Überzeugung, die Schweden seien besonders eng mit ihrer Geschichte verbunden. Ob dies richtig ist weiß er noch nicht, denn er hat die ganzen Tage überwiegend im Steinbruch und nur wenige Zeit mit den Menschen in Schweden verbracht. Das wird wohl besser werden, nach der Vernissage, so hofft er, denn neue Leute und Kulturen kennenzulernen ist ein wichtiger Zweck seiner Arbeits- und Studienreisen. „ Ich kann so Vorurteile abbauen. Man versteht die Menschen nicht, wenn man nicht mit ihnen ge- und erlebt hat.
Das Labyrinth des Lebens
Er ist in viele Länder der Welt gereist. Als Bergsteiger lässt er sich gerne von Gebirgen locken, so auch in den Himalaya, wo er die Anregung zu einem Obelisk fand, einer hohen schlanken Säule, die das Irdische mit dem Himmlischen verbindet. Unten ein Ei, als Ursprung des Lebens, oben Sonne und Mond, als Sinnbilder des Himmlischen, des Kosmos und dazwischen Schicht auf Schicht die Wellen der Meditation, eine marmorene Verbindung zwischen Erde und Himmel.
Zum Meditieren eignet sich auch seine Skulptur „Mutter Erde“, ein Marmorlabyrinth auf dem die Finger die Linien am Stein verfolgen können, ähnlich wie am „Endlos“. Man wandert der Linien entlang, steht plötzlich in einer Sackgasse, wie oft im Leben selbst. Die Idee hat er bei den Hopi-Indianern in Nordamerika gefunden, die mithilfe des Labyrinths meditieren. Das Labyrinth taucht, so wie Endlos, fast in allen Kulturen auf.
– „Auch in Bohuslän gibt es Labyrinthe, mit Steinen auf der Erde ausgelegt“, bemerkt er.
Ja, Hannes Götz macht sich Mühe, Menschen und ihre Gedanken kennenzulernen, überall wo er verweilt und arbeitet. Vielleicht verdankte er eben dieser Sensibilität den Auftrag, die Gedenkstätte für die israelischen Sportler und den deutschen Polizisten zu erstellen, die als Geisel getötet wurden, bei der Terroraktion während der Olympischen Spiele 1972 in München.
Briefe auf den Gräbern
Als er seinen Entwurf schuf, nahm er als Ausgangspunkt, den jüdischen Brauch, Steine und Briefe auf Gräber zu legen und schuf deshalb eine Granitschale für sie. Er dachte auch an den biblischen, siebenarmigen Leuchter, die Menorah, der für Juden aber auch für Christen symbolische Bedeutung hat. So fertigte er eine Schale aus Granit, getragen von sieben schmiedeeisernen Armen. Über der Schale streben zwölf schmiedeeiserne Strahlen nach oben, Sinnbilder der zwölf Söhne Jakobs, der zwölf Stämme Israels, der in der Terroraktion zwölf Getöteten und auch der Flammen des Olympischen Feuers.
Die Presse, die von der Einweihungsfeier vorigen Herbstes berichtete, zitierte feierliche Reden über Frieden und Zusammenarbeit, die Gewalt und Hass besiegen müßten. Es passierte aber auch, daß Hannes Götz Telefonanrufe bekam von Personen, die nicht mit der Ehrung und dem Gedächtnis an die ermordeten jüdischen Israelis einverstanden waren. Es waren unheimliche Anrufe, immer anonym. Selbst spricht Hannes Götz weiter, von seiner Hoffnung auf ein offenes Europa, wo sich die Menschen einander nähern, spricht von Kontakten zwischen den Vökern der ganzen Welt, um die Vorurteile abzubauen, die es bei den Menschen gibt.
Marita Adamsson
Bildtexte: Spiegelbild im Teich, das Hannes Götz fotografierte
und der Vogelmann, aus der Spiegelung geboren.
Treue, Leben und Liebe. Die sich windenden Linien des Symbols wachsen über eine Kugel
hervor – über der Erdkugel? Am Arbeitstisch Hannes Götz in Näsinge.
Marita Adamsson ist Germanistin und Redakteurin der Abteilung Kultur, bei der regionalen Tageszeitung „Bohuslänen“.